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Die Geschichte des Telefons

Am 26.Oktober 1861 hielt im Physikalischen Verein zu Frankfurt am Main der 27jährige Philipp Reis einen Vortrag über das "Telefon", wie er seinen Apparat nannte, bewusst oder unbewusst eine Bezeichnung wählend, die schon andere vor ihm für verschiedene einfache und nicht elektrisch wirkende Sprachübertragungseinrichtungen verwendet hatten. Phillip Reis
Der Physikalische Verein zu Frankfurt am Main war eine angesehene Gesellschaft, kein Wunder, dass man sich fragte, wer dieser junge Vortragende sei, der da gerade ausführte, dass er schon vor 9 Jahren, also siebzehnjährig, daran gedacht habe, "die Tonsprache selbst direkt in die Ferne mitzuteilen". Er hat sich gründlich mit der Mechanik der menschlichen Ohres beschäftigt und sich ein Modell gemacht, an dem er die Vorgänge im Ohr genau studierte. Dem entsprechend baute er einen "Geber", der die Schallwellen aufnehmen sollte. Geber von Reis Ein Kästchen mit Einsprache stellte das Ohr dar, eine darüber gespannte Membran aus tierischem Darm ist das Trommelfell und ein auf ihr liegendes Metallblatt, auf dem federnd eine Metallspitze liegt, mag er mit dem Gehörknöchelchen verglichen haben. Heute würden wir diese Konstruktion als einfachstes Mikrofon bezeichnen. Reis kam nicht auf die Idee, die Wirkungsweise des Trommelfells umzukehren und die Membran elektrisch zum Schwingen anzuregen, was mit dem damals bereits bekannten Elektromagneten möglich gewesen wäre. Vielmehr bediente er sich einer mit Draht umwickelten Stricknadel auf einem als Schwingboden dienenden Holzkästchen, dem so genannten "Stricknadelempfänger". Stricknadelempfänger von Reis

Bis 1865 entwickelt Reis 10 verschiedene Geber und 4 Empfänger, ohne den letzten Schritt zur unmittelbar angeregten Membran zu gehen. Er bemüht sich, seine Erfindung, selbst bis Russland, bekannt zu machen. Aber das Echo bleibt aus und mit ihm Anerkennung und Erfolg. Er war aus zwei Gründen zu früh. Reis hat seine Erfindung vorgeführt, ehe sie reif dafür war. Er erkannte nicht, dass der Strom im Geberkreis durch das Mikrofon nicht unterbrochen, sondern nur geändert werden darf. Trotzdem gebührt ihm Ruhm und Anerkennung, als erster menschliche Sprache auf elektrischem Wege übertragen zu haben.


14. Februar 1876 -- Zwei Telefone mit zwei Stunden Abstand
Im Patentamt in Washington gehen an diesem Tag 2 Patentschriften zum gleichen Thema ein. Elisha Gray Elisha Gray aus Chicago bezeichnete seine Anmeldung mit "Übertragung der Töne der menschlichen Stimme durch einen telegraphischen Draht und Wiederhervorrufen derselben am Ende der Linie, so dass von Personen ein Gespräch auf große Entfernung geführt werden kann".
Kaum hat der Beamte angefangen, sich in die ausführliche Beschreibung hineinzudenken, wird ihm eine neue Anmeldung, auf den Tisch gelegt. Sie stammt von Alexander Graham Bell aus Salem, Massachusetts. Alexander Graham Bell mit seinem Telefon Der Anspruch 5 beschreibt: "Das Verfahren und die Geräte zur telegraphischen Übermittlung von Sprache und Tönen, wie beschrieben, unter Hervorrufung elektrischer Wellenströme, die in ihrer Form den Schwingungen der Luft ähnlich sind, wie sie von der Stimme und anderen Lautgebern hervorgerufen werden." Zwei Männer sind fast den gleichen Weg gegangen. Worin unterscheiden sich ihre Gedanken, wessen Idee ist lebensfähiger? Grays Anordnung ähnelte im ganzen der von Reis. Er benutzt wie dieser eine Batterie. Der Geber ist verbessert und kann nicht mehr durch völlige Unterbrechung stören. Allerdings ist er, weil er mit einer Flüssigkeit arbeitet, sehr umständlich. Beim Empfänger überschreitet Gray die Schwelle, vor der Reis halt gemacht hat. Der Magnet steht unmittelbar vor der Membran. Bell ist bei seinem Empfänger den gleichen Schritt gegangen. Sein Geber dagegen unterscheidet sich grundsätzlich. Da ist überhaut keine Kontaktstelle mehr. Vor einem Elektromagneten schwingt, durch die Membran angeregt, ein Anker. Bells Telefon arbeitet mit Induktion. Das Bellīsche Telefon im Schnitt Als dann in rascher Arbeit die klassische Form des Fernsprechers entsteht, ist Bells Vorsprung gesichert. Geber und Empfänger sind gleich. Man braucht auf jeder Seite nur ein "Telefon", das man abwechselnd ans Ohr und vor den Mund hält. Dazwischen nur zwei Drähte, sonst nichts. Einfacher geht es nicht mehr. Dass das Telefon damals seinen Siegeszug antreten konnte, ist gerade auf diese geniale Einfachheit der Form zurückzuführen, die Bell im Sommer 1877 auf den Markt brachte.

Dies ist das eigentliche Geburtsjahr der Telefonie.
Hier können Sie originale Telefone nach dem System Bells sehen.


Entwicklung in Deutschland
Das deutsche Reichspostamt erfuhr von der Erfindung des Fernsprechers in Amerika durch einen Aufsatz in der Zeitschrift "Scientific American" vom 6. Oktober 1877. Generalpostmeister Stephan leitete daraufhin sofort die erforderlichen Schritte ein, um in den Besitz einiger Fernsprechapparate von Bell zu kommen. Heinrich von Stephan Nachdem zunächst 2 Bellīsche Telephone als Geschenk aus London verfügbar waren, folgten Fernsprechversuche über vorhandene Telegraphenleitungen:
25.Oktober:
erste Versuche in den Geschäftsräumen des General- Telegraphenamtes
26.Oktober:
Telephonverbindung über 2 km zwischen dem Centralbureau des Generalpostmeisters (Leipziger Str. 15) und dem Haupt- Telegraphenamt (Französische Str. 33bc)
30. Oktober:
Versuche zwischen Berlin und Schöneberg (6 km) Berlin und Potsdam (26 km) Berlin und Brandenburg (61 km)
31. Oktober:
Versuche zwischen Berlin und Magdeburg (150 km) mit ungenügender Verständigung, wobei nur einzelne, mit erhobener Stimme gesprochenen Worte, vernehmbar waren.
09. November:
Bericht des Herrn General- Postmeisters an den Fürsten Reichskanzler über die neue Erfindung
12. November:
Einrichtung eines Fernsprechamtes (Telegraphenbetriebsstelle mit Fernsprechbetrieb) für den öffentlichen Verkehr in Friedrichsberg bei Berlin
19. November:
Einführung der deutschen Bezeichnung "Fernsprecher" durch Stephan Anordnung über die Einrichtung von weiteren 18 Fernsprechämtern in den Bezirken Potsdam, Halle a.S., Magdeburg, Stettin und Berlin
25. November:
Vorführung des Fernsprechers vor dem deutschen Kaiser im Schloss Berlin
26. November:
Die Firma Siemens fertigt täglich 200 Telephon- Paare.
28. November:
Mit dem Erlass der "Dienstanweisung für den Betrieb von Telegraphenlinien mit Fernsprechern" ist das Fernsprechwesen in Deutschland förmlich gegründet worden.
Die erste Fernsprechvermittlungsanstalt in Deutschland wurde am 12. Januar 1881 in Berlin, Französische Straße, mit 8 Teilnehmern versuchsweise in Betrieb genommen.
Am 1. April 1881 wird die Stadtfernsprecheinrichtung Berlin mit 48 Anschlüssen, darunter 9 Börsensprechstellen, endgültig dem Verkehr übergeben. Die Zahl der Sprechstellen betrug in Berlin am Ende des Jahres:
1881 458
1882 1069
1883 1625
1884 2412
1885 4324
1886 5507
1887 6954
1888 9199
am 27. Mai 1889 wurde die 10.000. Sprechstelle eingerichtet. Außer Berlin erhalten Hamburg, Frankfurt M., Breslau, Köln und Mannheim Fernsprechnetze.
Die Vermittlung der Gespräche wurde per Hand an Klappenschränken durchgeführt.
1893:
Erste Versuche, Fernsprechleitungen unterirdisch zu führen, werden in Berlin unternommen. Dazu werden Fernsprechkabel zwischen den Vermittlungsstellen in der Französischen Straße und der Mauerstraße gelegt.
1908:
Das Wählfernsprechamt Hildesheim wird am 10. Juli 1908 als erstes öffentliches Wählamt Europas in Betrieb genommen. Das Amtszeichen fordert den Teilnehmer auf, selbst mit der Nummernwahl zu beginnen.
1910:
Am 1. Januar sind in Deutschland 941 000 Fernsprecher an die unterschiedlichen Vermittlungsstellen angeschlossen.
1912:
Das Telegraphengeheimnis wird auf das Fernsprechgeheimnis ausgedehnt.
1916:
Die Umstellung zum Wählbetrieb wird durch den Ersten Weltkrieg aufs schwerste gehemmt.
1919:
Im Hinblick auf die allgemeine Umstellung auf Wählbetrieb werden die neu beschafften Apparate so gebaut, dass sie sowohl in Netzen mit Handbedienung als auch in Wählnetzen verwendet werden können.
1922:
Erst im Jahre 1922 kann in Deutschland die Weiterentwicklung der Wählämter wieder aufgenommen werden. Das Wählsystem 22 wird eingeführt.
1927:
Das Wählsystem ersetzt das Wählsystem 22. 28% der deutschen Teilnehmer sind an Selbstanschlussämter angeschlossen. Fernsprecher aus Preßstoff werden eingeführt.
1929:
Die fernsprechtechnischen Einrichtungen werden vereinheitlicht. Ersatzteile für Wählämter werden genormt. Unter Verwendung kleinerer Hebdrehwähler und von Flachrelais wird das Wählsystem geschaffen.
1940:
Das Fernsprechwählsystem 40 soll das System 29 ersetzen.
1945:
Nach der Kapitulation Deutschlands im Mai wird der deutsche Fernsprechdienst auf Anordnung der Besatzungsmächte vollständig eingestellt. Nach und nach darf dieser in beschränktem Umfang mit Genehmigung der Besatzung wieder aufgenommen werden. Zunächst werden technische Einrichtungen durch Aufarbeiten der aus Trümmern geborgenen Amtsbauteile und durch Anpassung übernommener Wehrmachtsgeräte gewonnen. Vereinzelt muss wieder auf Handbetrieb zurückgegriffen werden, um überhaupt Anschlussmöglichkeiten für Teilnehmer zu schaffen.
1949:
Zur Behebung der Anschlussnot in zahlreichen Ortsnetzen wird die Einführung von Zweieranschlüssen allgemein zugelassen.
nach 1949:
Die Entwicklung im geteilten Deutschland war durch die unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedingungen geprägt. Während in der Bundesrepublik Deutschland nach Wiederherstellung der Fernsprechnetze mittels Hebdrehwählersystem 50 , Weiterentwicklung mit EMD- Wählern (Motorwähler) zum System 55 und schließlich über teilelektronische bis zur vollelektronischen Vermittlung eine entsprechende Entwicklung stattfand, blieb die Vermittlungstechnik in der DDR im großen und ganzen bei der Hebdrehwählertechnologie stehen.
Nach der Wiedervereinigung entstand in den neuen Bundesländern in kürzester Zeit eines der modernsten Fernsprechnetze in Europa.
Die entsprechende Entwicklung der Fernsprechapparate wird in nachfolgender Übersicht deutlich.
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